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Typische Fehler beim Fugenverguss – Ursachen & Lösungen

Fugen die halten

Fugen im Asphalt sind die stillen Helden unserer Infrastruktur. Sie nehmen Bewegungen im Straßenbelag auf, schützen zuverlässig vor dem Eindringen von Wasser und Frost und tragen maßgeblich dazu bei, die Substanz unserer Straßen langfristig zu erhalten. Doch ihre volle Wirkung entfalten sie nur, wenn sie fachgerecht geplant und ausgeführt werden.

In der Praxis zeigt sich jedoch: Der Fugenverguss wird häufig unterschätzt. Schon kleine Nachlässigkeiten – sei es in der Vorbereitung, bei der Materialwahl oder in der Verarbeitung – können gravierende Folgen haben. Frühzeitige Schäden, eingeschränkte Funktionalität oder sogar sicherheitsrelevante Mängel sind oft die Konsequenz. Dabei ließen sich viele dieser Fehler mit dem richtigen Know-how und der passenden Ausrüstung vermeiden.

Dieser Beitrag richtet sich an alle, die im Straßenbau mit Fugen arbeiten – ob in Bauhöfen, Straßenmeistereien oder ausführenden Unternehmen. Denn wer die typischen Fehler kennt, kann sie gezielt vermeiden – und so die Qualität und Langlebigkeit von Fugen nachhaltig verbessern.

 

Unzureichende Vorbereitung der Fuge

Problem:

Die Fuge wird vor dem Verguss nicht ausreichend gereinigt oder ist noch feucht.

Folgen:

Die Vergussmasse kann nicht optimal haften. Es kommt zu Ablösungen, Hohlstellen und keiner zuverlässigen Abdichtung – die Fuge verliert ihre Funktion und muss häufig frühzeitig saniert werden.

Lösung:

Eine gründlich gereinigte und vollständig trockene Fuge ist die Grundlage für einen dauerhaften Fugenverguss. Moderne Ausblassysteme (Heißluftlanzen) entfernen zuverlässig Staub, Schmutz und Feuchtigkeit. Zusätzlich empfiehlt sich eine gezielte Feuchtigkeitskontrolle vor dem Verguss – denn selbst geringe Restfeuchte kann die Haftung der Vergussmasse erheblich beeinträchtigen.

 

Falsche Materialwahl

Problem:

Es werden ungeeignete Vergussmassen eingesetzt – etwa Produkte, die zu hart oder nicht ausreichend elastisch sind bzw. schlicht den Normen nicht entspricht.

Folgen:

Die Fuge kann Bewegungen im Belag nicht mehr aufnehmen. Es entstehen Risse, Versprödungen oder Ablösungen, die die Funktion und Lebensdauer der Fuge erheblich beeinträchtigen.

Lösung:

Die Wahl der richtigen Vergussmasse ist entscheidend. Sie muss den Anforderungen der ZTV Fug-StB entsprechen und sowohl elastisch genug sein, um Bewegungen aufzunehmen, als auch widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen und Verkehrsbelastung. Spezielle polymermodifizierte Massen – wie z. B. N2-Vergussmassen oder Pflastervergussmassen – bieten hier zuverlässige Lösungen. Eine sorgfältige Abstimmung auf den jeweiligen Einsatzzweck ist unerlässlich, um Schäden zu vermeiden und die Fuge dauerhaft funktionsfähig zu halten.

 

Nicht eingehaltene Verarbeitungstemperaturen

Problem:

Die Vergussmasse wird außerhalb des empfohlenen Temperaturbereichs verarbeitet – sei es zu heiß oder zu kalt.

Folgen:

Wird das Material überhitzt, verliert es seine strukturellen Eigenschaften: Es bleibt weich, härtet nicht richtig aus und kann von Fahrzeugen verschmiert oder sogar wieder aus der Fuge herausgezogen werden. Bei zu niedrigen Temperaturen hingegen ist die Verarbeitung erschwert, die Haftung unzureichend und die Fuge nicht vollständig gefüllt. In beiden Fällen leidet die Qualität und Haltbarkeit der Fuge erheblich.

Lösung:

Die Einhaltung der vorgeschriebenen Verarbeitungstemperaturen ist essenziell. Eine kontinuierliche Temperaturüberwachung während des Erhitzens und beim Einbau sorgt dafür, dass die Vergussmasse ihre optimalen Eigenschaften entfalten kann. Nur bei korrekter Temperatur lässt sich ein gleichmäßiger, vollflächiger und dauerhafter Verguss erzielen. Temperaturkontrolle ist kein Detail – sie ist ein zentraler Qualitätsfaktor im Fugenverguss.

 

Fehlerhafte Primeranwendung

Problem:

Der Primer wird entweder gar nicht verwendet oder nicht fachgerecht aufgetragen.

Folgen:

Ohne korrekt aufgetragenen Primer ist die Haftung zwischen Asphalt und Vergussmasse unzureichend. Reststaub in der Fuge wird nicht gebunden, was zu Ablösungen, Undichtigkeiten und einer verkürzten Lebensdauer der Fuge führen kann.

Lösung:

Ob ein Primer erforderlich ist, hängt von der Beschaffenheit des Untergrunds und der eingesetzten Vergussmasse ab. Wird ein Primer verwendet, muss er gleichmäßig aufgetragen und die empfohlene Ablüftzeit unbedingt eingehalten werden. Nur so entsteht eine dauerhafte Verbindung zwischen Fugenflanke und Vergussmaterial.

Alternativ kann die Fuge mit Heißluft vorbereitet werden. Erfolgt der Verguss direkt im Anschluss an das Heißausblasen – also „heiß in heiß“ – lassen sich besonders hochwertige Ergebnisse erzielen. Diese Methode sorgt für eine optimale Haftung und reduziert das Risiko späterer Schäden deutlich.

 

Unzureichende Fugenabmessungen und Setzung

Problem:

Fugen werden nicht in der erforderlichen Tiefe und Breite ausgeführt oder es werden  beispielsweise 4 cm tiefe Fugen nur in einem Durchgang vergossen.

Folgen:

Ist die Fuge zu flach bzw. zu schmal oder wird nicht ausreichend mit Vergussmasse gefüllt, kann sie die erforderliche Elastizität nicht entwickeln. Besonders bei Temperaturwechseln – etwa zwischen Sommerhitze und Winterfrost – entstehen Spannungen, die zu Rissen in der Vergussmasse oder an den Fugenflanken führen. Zudem setzt sich die Vergussmasse nach dem Einbau, sodass die Fuge unvollständig gefüllt bleibt und ihre Funktion verliert. Zusätzlich können beim Überfahren solcher Fugen starke Geräuschemissionen entstehen.

Lösung:

Die Fugenabmessungen müssen den technischen Anforderungen entsprechen – insbesondere in Bezug auf Tiefe und Breite. Bei Fugen mit einer Tiefe von 4 cm ist ein zweistufiger Verguss zwingend erforderlich: Nach dem ersten Verguss sollte die Masse Zeit zum Setzen erhalten, bevor eine zweite Schicht eingebracht wird. Nur so entsteht eine vollständig gefüllte, elastische und dauerhaft belastbare Fuge, die den Beanspruchungen des Straßenverkehrs standhält.

 

Warum das Abstreuen der Fuge kein Nebenschritt ist – sondern entscheidend für die Qualität

Problem:

Nach dem Einbringen der heißen Vergussmasse bleibt die Oberfläche der Fuge zunächst klebrig. Wird sie nicht weiterbehandelt, kann das insbesondere bei direkter Verkehrsfreigabe oder in stark frequentierten Bereichen zu Problemen führen.

Folgen:

  • Anhaftung von Reifen oder Schuhwerk: Fahrzeuge oder Fußgänger können die noch weiche Masse beschädigen oder ungewollt abtragen.
  • Erhöhte Rutschgefahr: Die glatte Oberfläche der frischen Vergussmasse kann bei Nässe zur Gefahr werden – insbesondere für Zweiräder und Fußgänger.

Lösung:

Das Abstreuen der Fuge mit geeignetem Material ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Schritt:

  • Schutz der Oberfläche: Das Abstreumaterial verhindert das Ankleben und schützt die frische Fuge vor äußeren Einflüssen.
  • Schnellere Verkehrsfreigabe: Die Fläche kann zügiger wieder genutzt werden, ohne dass Schäden entstehen.
  • Verbesserte Griffigkeit: Die Rutschfestigkeit wird deutlich erhöht – ein wichtiger Beitrag zur Verkehrssicherheit.
  • Optische Integration: Die abgestreute Fuge fügt sich harmonischer in das Straßenbild ein.

 

Fehlende Nachkontrolle und Dokumentation

Problem:

Nach dem Fugenverguss erfolgt keine systematische Kontrolle oder Dokumentation der ausgeführten Arbeiten.

Folgen:

Qualitätsmängel bleiben unentdeckt und können sich unbemerkt verschärfen. Treten später Schäden auf, ist deren Ursache oft schwer nachvollziehbar – was die Nachbesserung erschwert und unnötige Kosten verursachen kann.

Lösung:

Regelmäßige Sichtkontrollen direkt nach dem Verguss helfen, Unregelmäßigkeiten frühzeitig zu erkennen. Ergänzend sorgt eine einfache, aber strukturierte Dokumentation – etwa zu stichprobenartigen Temperaturkontrollen, eingesetzten Materialien, Materialmengen und Arbeitszeiten – für Transparenz und Nachvollziehbarkeit. Diese Daten bilden die Grundlage für eine nachhaltige Qualitätssicherung und ermöglichen im Schadensfall eine fundierte Analyse.

 

Fachlicher Impuls

„Eine Fuge soll nicht nur optisch überzeugen – sie muss ihre Funktion über viele Jahre zuverlässig erfüllen. Dafür sind die richtige Ausrüstung und langjährige Erfahrung im Fugenverguss unerlässlich.“

— Marvin Rupprecht

 

Fazit

Der Fugenverguss im Asphaltstraßenbau ist weit mehr als ein technische Notwendigkeit – er ist ein zentrales Element für die Langlebigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit unserer Verkehrswege. Wer typische Fehler kennt und gezielt vermeidet, schafft die Grundlage für belastbare, wartungsarme und dauerhaft funktionsfähige Straßen.

Dieser Beitrag soll praxisnah und verständlich aufzeigen, wo die häufigsten Schwachstellen im Fugenverguss liegen – und wie sie sich vermeiden lassen. Denn Qualität beginnt nicht erst beim Material, sondern bei der Sorgfalt in jedem einzelnen Arbeitsschritt.

 

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